Urlaub in Ägypten

Entdecken Sie Ägypten!

Quelle: Text Marco Polo

Das Land der Pharaonen ist gleichzeitig auch das Land der Taucher, der Sonnenhungrigen, der Wüstenabenteurer und der Bildungsreisenden

Es sind nicht gerade wenige Superlative, mit denen das Land am Nil aufwarten kann. Es gilt als die Wiege der Zivilisation und als die älteste Bürokratie der Menschheit, hier wurde die Steinbauarchitektur erfunden, deren früheste Zeugin, die Stufenpyramide von Saqqara, man noch heute bewundern kann, hier entdeckten Archäologen die ältesten Schriftstücke der Menschheitsgeschichte, und hier kann man das letzte erhaltene Weltwunder der Antike sehen: die Pyramiden von Giza.

Ein Superlativ aber wird selten beachtet: Ägypten ist gleichzeitig das älteste Reiseziel der Welt. Tempel und Pharaonengräber, die mit klingenden Namen wie Ramses, Tut-ench-Amun, Nofretete oder Echnaton verbunden sind, dazu prächtige Moscheen und die Kirchen einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt, üppige Gärten am Nil und Wallfahrtsorte im ganzen Land locken seit Jahrtausenden Wissenschaftler und Pilger, Abenteurer oder einfach nur Neugierige hierher. So ist es nur folgerichtig, dass Ägypten auch die Geburtsstätte des modernen Tourismus ist. Thomas Cook, ein praktisch veranlagter britischer Pedant, sah, dass alle wichtigen Sehenswürdigkeiten des Landes in Reichweite des Nilufers liegen, und erfand 1869 die Nilkreuzfahrt. Und damit seine Gäste in der exotischen Fremde immer wussten, woran sie sind, beglückte er sie mit der Pauschalreise. Unterkunft, Verpflegung, Tourguide - alles war im Preis enthalten, außer alkoholischen Getränken.

Touristen von heute haben vor allem ein Problem: Wo sollen sie zuerst hinfahren? Im Süden locken die magische Kultur der Pharaonen und die idyllische Nillandschaft, im Osten bietet das Rote Meer Traumstrände, glasklares Wasser und eine artenreiche Unterwasserwelt, die zu den beeindruckendsten der Erde gehört. Für Kairo allein bräuchte man Wochen, um alle pharaonischen, römischen, koptischen, fatimidischen und mamlukischen Kunst- und Baudenkmäler zu erkunden, und mindestens Monate, um zu begreifen, wie dieser aberwitzige Schmelztiegel aus Tradition und Moderne wirklich funktioniert. Aber dann gibt es ja noch Alexandria, die alte Dame am Mittelmeer, in die Nostalgiker aus aller Welt hoffnungslos verliebt sind; außerdem die Oasen in der Westlichen Wüste, den biblischen Sinai, den Sinai der Beduinen, den Sinai der Beachurlauber aus Europa und den der Hippies und Aussteiger auf Zeit an den Stränden von Dahab und Tarabin.

Das gesamte Land wirkt, als hätten es die Planer in den großen Reisebüros auf der Suche nach perfekten Kombinationsmöglichkeiten erfunden: Sport und Bildung, Tauchen und Bergwanderungen, extreme Naturerlebnisse und das Großstadtabenteuer im Moloch Kairo. Ägypten reizt Hobbyarchäologen und Bibelkreise, Esoteriker, Völkerkundler und Teenager, die Jetski und Paragliding probieren wollen. Reisende kommen mit dem festen Ziel, einmal im Leben den Tempel von Abu Simbel zu sehen, oder mit nichts anderem im Sinn als nur abzuhängen, in der Sonne zu liegen und braun zu werden. Viele Neulinge unter den Besuchern treffen deshalb die einzig richtige Entscheidung: Sie beschließen schon zu Beginn ihrer Reise, ein zweites Mal herzukommen, und heben sich die anderen Landstriche Ägyptens für später auf. Ägypter haben dafür eine Redensart. Sie sagen, natürlich metaphorisch gemeint: Wer einmal Nilwasser getrunken hat, kommt immer wieder zurück.

Der Nil ist die Lebensader des Landes. Seit Jahrtausenden beschert er den Ägyptern einen Lebensrhythmus, der ihre Mentalität geprägt hat. Einmal im Jahr überschwemmte die Nilflut das Ackerland und ließ fruchtbaren Schlamm zurück. Die Fellachen bestellten das Feld, brachten die Ernte ein, und mit der nächsten Flut ging der Kreislauf von neuem los - jahraus, jahrein. Kein Alltagsproblem konnte so bedeutend sein, kein Streit, keine Sorge, kein Unglück konnte es geben, das die Ägypter daran zweifeln ließ, dass die Vorsehung sie reich beschenkte. Noch heute haben Ägypter eine Abneigung dagegen, aus dem Niltal wegzuziehen. Sie revanchierten sich ihrerseits mit einem ausbalancierten System an gesellschaftlichen Beziehungen, in dem jeder seinen Platz hatte, angetrieben von den wirklich wichtigen Konstanten im Leben: Geburt, Hochzeit und Tod.

Das erklärt teilweise Eigenschaften der Ägypter, über die Reisende immer wieder erstaunt sind: ihre unendliche Gelassenheit, ihren Humor und ihre ansteckende Freundlichkeit. Wenig kann sie aus der Ruhe bringen. Problemen und ihrem eigenen schlechten Gewissen begegnen sie mit einer Formel, die oft schon in Büchern beschrieben wurde. Sie lautet: IBM. Das I steht für »Insha'Allah« und bedeutet »so Gott will«. Es ist die übliche Antwort selbst auf die Frage, ob die U-Bahn, an der Helwan dransteht und die in Richtung Helwan vor Ihnen einfährt, auch wirklich nach Helwan geht. Das B steht für »bukra«, was »morgen« heißt, aber meistens meint: Was ich heute kann besorgen, kann ich morgen immer noch verschieben, irgendwann wird es schon werden. Das M ist das Kürzel für »malesh« - »tut mir Leid, macht doch nichts, ist nicht so schlimm«.

Pedantische Europäer entnervt diese Beschwörungsformel immer wieder - wenn ihnen zum Beispiel ein Händler sagt, dass er »bukra insha'Allah« das T-Shirt mit dem Pharaonenmotiv in der passenden Größe besorgt haben wird, aber dann für den Europäer, der natürlich am nächsten Tag kommt, doch nur ein nettes »Malesh« parat hat. Wer die Lebensbedingungen der Ägypter kennen lernt, begreift jedoch schnell, dass IBM das Gleitmittel im holprigen Alltag ist. Der an vielen Orten nahezu unverschämt zur Schau gestellte Reichtum darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Ägypter in Verhältnissen leben, die Mitteleuropäer längst in die Verzweiflung getrieben hätten.

Mindestens ein Fünftel aller Erwachsenen ist ohne Arbeit. Die Analphabetenrate beträgt über 40 Prozent. Einer Statistik des Gouverneurs von Kairo zufolge leben 25 Prozent aller Hauptstädter in Armenvierteln an den Stadträndern oder auf Friedhöfen und ein Drittel der Familien unter dem Existenzminimum. In den vernachlässigten Provinzen Oberägyptens sieht es eher noch schlechter aus. Viele Ägypter haben zwei Jobs und arbeiten zwölf bis 15 Stunden am Tag. Von dem Geld ernähren sie nicht nur die eigene Familie, sondern auch noch die der arbeitslosen Brüder und Cousins, denn die Familie ist in Ägypten nicht nur Zuflucht, sondern gleichzeitig Verpflichtung. Und in ihr entlädt sich auch Frustration. Bei einer ägyptisch-amerikanischen Erhebung antworteten über 40 Prozent aller befragten Ägypter, dass sie in den letzten fünf Jahren mindestens einmal körperlicher Gewalt ausgesetzt waren, ausgeübt von Familienangehörigen. Das sind doppelt so viele wie in Mexiko oder Westeuropa.

Angesichts dieses Drucks grenzt es an ein Wunder, dass die Gesellschaft so ausgeglichen ist. Ägypter sind temperamentvoll, aber nicht radikal. Sie neigen zu extremen Emotionen, Freude wie Trauer, aber sie sind alles andere als Extremisten. In den letzten Jahren hat die Religion bei Muslimen wie bei Christen an Bedeutung gewonnen, aber die überwiegende Mehrheit von ihnen verabscheut religiöse Fanatiker zutiefst.

Herzlichkeit ist für Ägypter so normal wie der Gebetsruf, der fünfmal täglich von der Moschee erschallt. Sollte eines von beiden plötzlich fehlen, dann wäre die Welt nicht mehr in Ordnung. Wenn Sie sich also Ihr Ägyptenprogramm zusammenstellen, darf eine Attraktion des Landes auf keinen Fall fehlen: die Menschen. Viele Ägypter sprechen Englisch, einige sogar Deutsch. Sie treffen sie in den Kaffeehäusern des Landes oder in den Clubs von Kairo, in den Basarvierteln, wenn Sie sich verlaufen haben und nach dem Weg fragen, oder in den Beduinensiedlungen an den Küsten des Sinai. Nach der Rückkehr von Ihrer Reise werden Sie die Heiterkeit der Ägypter vermissen.

Weitere Reiseangebote
Abu Dhabi, Agadir, Algarve, Balearen, Bali, Barbados, Bulgarien, Chalkidiki, Costa Blanca, Costa Brava, Costa de la Luz, Costa del Sol, Djerba, Dominikanische Republik, Dubai, Fuerteventura, Gran Canaria, Griechenland, Hurghada, Ibiza, Italien, Jamaika, Kalabrien, Kanaren, Karibik, Khao Lak, Koh Samui, Korfu, Kreta, Kuba, La Gomera, La Palma, Lanzarote, Madeira, Malediven, Mallorca, Malta, Marokko / Tunesien, Marsa Alam, Mauritius, Menorca, Mexiko, Phuket, Portugal, Puerto Plata, Punta Cana, Seychellen, Sharm El Sheikh, Sizilien, Spanien, Sri Lanka, Südindien, Teneriffa, Thailand, Türkei, Türkische Riviera, Venezuela, Zypern