Urlaub in der Algarve

Entdecken Sie die Algarve!

Quelle: Text Marco Polo

Wunderbares Klima, herrliche Strände und gastfreundliche Algarvios sorgen für beste Urlaubslaune

Sauberes, klares Meerwasser, eine Luft zum tief Durchatmen, herrliche Strände, Buchten, Uferfelsen, Düneninseln, ein subtropisches Klima, das seinesgleichen sucht - die Liste der Algarve-Merkmale beinhaltet so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Kein Wunder also, dass Europas südwestliche Nasenspitze zu einem wichtigen Urlaubsgebiet wurde. Ein großes Gebiet: 150 km von Ost bis West, vom Rio Guadiana bis zum Atlantik, und 50 km von Nord bis Süd, von den Küstengebirgen des Hinterlands bis zur Südküste. Diese Küste besteht aus zwei Teilen, Barlavento (wind-zugewandt) und Sotavento (wind-abgewandt), deren Landschaften sehr verschieden ausfallen. Das Barlavento hat eine dramatisch-felsige Küste (Felsalgarve), das Sotavento eine ruhige, von Sand und Dünen geprägte (Sandalgarve). Bilderbuchstrände reihen sich an beiden aneinander. Viele Gäste ziehen die schier endlosen Sandbänke im Osten vor, wie man sie z. B. auf der Ilha de Tavira antrifft, andere schätzen die romantischen kleinen Buchten der Felsalgarve, wieder andere tummeln sich lieber an langen Stränden vor honigfarbenen Felsgebilden und Klippenwänden, die Wasser und Wetter zu phantastischen Kulissen zurechtgemeißelt haben. Zwischen Albufeira und Sagres gibt es zahllose davon.

Von Mutter Natur derart privilegiert ausgestattet, ist die Algarve ein Tourismusgebiet par excellence - und das in nur zweieinhalb Flugstunden Entfernung von Deutschland. Dann landet man zwar in Europa, aber doch in einer Region ganz eigener Prägung. Die Einheimischen, die Algarvios, wirken mit ihren dunklen Augen mediterran, man kann auch viel Maurisch-Arabisches in ihnen entdecken. Indes: Die Männer sind nicht machohaft wie in so manchen Mittelmeerländern. Vielleicht ist der Atlantik daran beteiligt. Kühlend wirkt er, besänftigend durch seine Urgewalt. Jeden weist der Ozean in die Schranken, aber er setzt auch weite Horizonte. Es verwundert nicht, dass ausgerechnet an der Algarve die revolutionäre Epoche der Expeditionen zur See begann, dass die Neuzeit, deren Beginn man mit der Entdeckung Amerikas gleichsetzt, hier eingeläutet wurde.

In der Ferne der Neuen Welt stieg in den Portugiesen eine immense Sehnsucht nach zu Hause auf. Der fado gab dieser Sehnsucht melodischen Ausdruck. Immer wieder hört man, die »wie ein Dolch das Herz durchbohrende« Fado-Musik und das Gefühl der Wehmut, saudade, könnten nur hier als landestypische Wesenszüge entstanden sein, weil die Portugiesen von einer so tiefen Melancholie ergriffen seien. Da ist viel dran. Fado-Musik zeigt einen Teil der Herkunft portugiesischen Gemüts auf, ist sie doch ein Erbe jener Epoche, als die Mauren die Iberische Halbinsel über ein halbes Jahrtausend lang beherrschten. Die arabisch-islamische Kultur und mit ihr viel Fatalistisches sitzen also tief verankert in der portugiesischen Seele und in der Musik Portugals, die aber auch Klänge aus Afrika, aus Brasilien, Indien, eben von überall dort, wo die Portugiesen einst das Sagen hatten, integriert. Die Portugiesen vereinnahmten das Fremde immer mit Offenheit und Freude. Das gilt für die gesamte Kultur, die kulinarische, auch die soziale und nicht zuletzt die religiöse: Die Tatsache, dass unter maurischer Herrschaft auch Christen und Juden in erstaunlicher Toleranz ihrer Religion und ihrem Lebensstil nachgehen konnten, wirkt bis heute nach.

Die Mauren nannten den sonnenreichsten Küstenstrich auf der Iberischen Halbinsel »al garb« (der Westen - von Córdoba aus betrachtet, dem Sitz des Kalifats), woraus das Wort Algarve entstand. Alle Wörter, die mit »Al« beginnen, sind arabischen Ursprungs, wie Albufeira oder Almancil, Algebra oder Alhambra. Die Hauptstadt des Garb hieß Xelb, das heutige Silves, eine schillernde Metropolis voller Paläste und Basare, die sich mit Sevilla und Granada messen konnte.

Von der arabischen Hochkultur ist fast nichts übrig geblieben, denn nahezu alle Gebäude in Südportugal wurden bei einem Erdbeben im Jahr 1755 vernichtet. Aber mit bewundernswerter Energie baute man neu, und so kommt es, dass sich heute die meisten Innenstädte in einem 18.-Jh.-Gewand präsentieren - wie Lagos, Faro, Tavira, Loulé oder Vila Real de Santo António. Alle diese Städte liegen wie aufgereiht am »Algarve-Highway« N 125 und an der Autobahn Via do Infante. Südlich davon ist der Raum dicht besiedelt, der Großteil der 400 000 Einwohner der Algarve lebt hier in der Uferzone, die meisten vom Tourismus.

Nördlich beider Straßen wird es bergig. Nur noch wenige alte Leute leben in einem der einsamen Bergnester. Die Jugend will in den Städten an der Küste arbeiten und wohnen. In den serras, den Küstengebirgen, stößt man deshalb auf verlassene Dörfer, die man am liebsten wieder beleben möchte. Dort, wo Menschen sind, geht es wunderbar friedlich zu. Selbst das bunte Treiben am Markttag wirkt gelassen, mehr noch: Heiter wirkt es, etwa in Loulé, wo samstags enorme Menschenmengen die Markthalle und den Zigeunermarkt im Freien bevölkern. Angeboten wird nur, was die Bauern der Umgebung derzeit anbauen und ernten. Frischer und besser geht es nicht. Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln, Kohl, Kürbisse und Knoblauch häufen sich auf wackeligen Ständen. Als Besucher gewinnt man unwillkürlich den Eindruck, dass man hier willkommen ist und dass sich die Einheimischen einem nicht aufdrängen wollen, um ein Geschäft zu machen. Leben und leben lassen, das ist die angenehme, lockere Lebensauffassung der Algarvios.

Die Bereiche nahe dem Ufer hat man in den letzten zwanzig Jahren wie wild bebaut mit Hotelanlagen und Bettenbunkern. Hier tobt das (touristische) Leben. Aber man besinnt sich doch allmählich darauf, dass man die Natur nicht endlos ausbeuten kann, dass sie keine unerschöpflichen Vorräte bietet, sondern ein zu schätzendes und zu schützendes Gut ist. Ein radikaler Baustopp verhindert nun planloses Bebauen.

Die Westküste, die Costa Vicentina, wurde zum Naturschutzgebiet erklärt. Hier finden Besucher unangetastete, wilde Landschaften vor, nicht nur in Parzellen, sondern in einem ganzen Küstenstrich. Vom Wind und der Brandung gebürstete, senkrecht in das tosende Meer abfallende Klippen lassen die Gäste staunen über die Naturgewalten, die solche majestätischen Schönheiten zu Stande bringen.

An den meisten Tagen traut sich keine Wolke, das Azurblau des Himmels zu trüben, und die ganze Küste wird zur Postkartenidylle: Traumstrände und Sandburgen, lachende Gesichter, bunte Fischerboote dümpeln im sattblauen Wasser - es ist eine wahre Pracht. Das Licht kann dann an der West- wie auch an der Südküste diamanthart werden, scharf sind die Kontraste. Die Helligkeit ist von solcher Kraft, dass Felsen und Bäume, Wasser und Wiesen wie von innen her leuchten. Dieses intensive Licht fasziniert immer mehr Künstler, die hier neue Begegnungen in und mit der Natur erleben und diese in ihr Medium umsetzen. Solche Tage faszinierenden Lichts sind durchaus nicht selten - und selbst im Januar kann einem hier die Sonne den Rücken wärmen und bräunen.

Das milde Klima lockt auch die Golfer an, vor allem in den Übergangszeiten im Mai und Oktober. Auf 31 Plätzen (weitere 13 sind in Bau oder Planung), von denen einer attraktiver ist als der andere, putten sie die kleinen weißen Bälle ein und genießen die vorbildlich in die Landschaft integrierten Greens. Rund um Vilamoura, in Quinta do Lago und Vale do Lobo wurden in den letzten Jahren die wohl exklusivsten Ferien- und Golfanlagen Europas in Betrieb genommen.

Aber diese hochfeinen Resorts sind wie Inseln. Der normale Betrieb an der Algarve ist durchsetzt von sämtlichen Aspekten eines modernen, auf Tourismus ausgerichteten Alltags. Er unterscheidet sich von dem anderer Destinationen vor allem durch die Freundlichkeit der Einheimischen und die grandiose Schönheit der Landschaft, wobei immer mehr Besucher auch das bergige, stille Hinterland und die wilde Westküste wahrnehmen, Regionen, die sich einem beim Wandern und Radfahren erschließen. Belohnt wird man mit intensiven Eindrücken einer noch völlig intakten Natur. Begegnet man ihr in Ruhe, kann man sich sehr wohl wie ein Entdecker fühlen.

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