Urlaub in Bulgarien

Entdecken Sie Bulgarien!

Quelle: Text Marco Polo

Prächtige Gebirge, weiße Strände und Kulturvielfalt zwischen Orient und Okzident

Sand, Meer und Beton - das ist das Bild Bulgariens in den Reisekatalogen, namentlich das Bild der Schwarzmeerküste. Wer diese erlebt hat, kennt tatsächlich einen schönen und wichtigen Teil des Landes. Wer aber nur auf den touristischen Pfaden verharrt, dem wird viel Sehenswertes entgehen.

Bulgarien ist natur- und kulturgeografisch ein Übergangsland zwischen Orient und Europa, was auch seine Geschichte und seine Gesellschaft mit geprägt hat. In dieser Übergangslage, die das Land in guten Zeiten zum Bindeglied machte, wurde Bulgarien zu einem bunten Sammelbecken unterschiedlicher kultureller und gesellschaftlicher Erscheinungen.

Die Natur hat es offensichtlich gut gemeint mit Bulgarien. Von Gebirgen durchzogen, dicht bewaldet und seenreich, dazu noch eine 378 km lange Meeresküste - ein nicht eben übermäßig großes Territorium von etwas mehr als 110 000 km², also weniger als ein Drittel Deutschlands, ist in reichem Maß mit landschaftlicher Schönheit und Vielfalt beschenkt worden. So hat es für ganz unterschiedliche Vorlieben etwas anzubieten, für Wasserratten oder Skifahrer ebenso wie für diejenigen, die einsam gelegene Gebirgsseen suchen, über dicht bewaldete Hänge von Dorf zu Dorf wandern oder sich einfach die Täler erradeln wollen.

Touristisch bekannt und berühmt wurde das Land vor allem durch die Schwarzmeerküste. Der etwas rauere, karge, felsige Norden, die großen Seebäder in und um Varna mit dem feinkörnigen Sand des Goldstrands bis hin zu den südlichen Küstenregionen, wo an den Ausläufern des Balkans die üppigen Weinberge fast bis ans Meer reichen. Das Land ist abhängig vom Tourismus und passt sich immer mehr an westliche Standards an.

Bunt ist das Leben an der Küste, vor allem im Sommer. Es entstehen Kneipen und Bars, die wahrscheinlich nur für eine Saison bestehen werden, in denen dafür aber umso ausgiebiger gefeiert wird. Doch trotz aller »Ballermann«-Ähnlichkeiten, die man in den großen Hotelburgen durchaus finden kann, legen die Bulgaren immer und überall Wert auf ihre Geschichte und Kultur. Besucher erleben wahrscheinlich kaum ein Gespräch mit einem Einheimischen, in dem sie nicht auf das »Joch«, die fast 500-jährige osmanische Fremdherrschaft, hingewiesen werden. Eine eigenständige bulgarische Geschichte und Kultur findet oder fand in Bulgarien vor dem 15. und ab Mitte des 19. Jhs. statt. In einer eigenwilligen historischen Interpretation beruft man sich auf die großen Zarenreiche und die Bewegung der »Nationalen Wiedergeburt«, wobei vor allem Letztere eindrucksvolle kulturelle Denkmäler im Land hinterlassen hat.

Allein eine Reise wert sind die weltberühmten Klöster und der Kreis der Museumsstädte, eine Reihe von Ortschaften, die unter Denkmalschutz stehen. Die bulgarischen Klöster sind Ausdruck einer einzigartigen Verbindung von Natur, Kultur, Religion und Geschichte. Ihre Funktion ging schon immer über das Kirchlich-Religiöse hinaus. Nicht nur das slawische Alphabet - Grundlage der kyrillischen Schrift -, auch bedeutende Schulen der Literatur, Architektur, der bildenden Künste haben ihren Ursprung in den Klöstern. So wandern Besucher beim Rundgang durch die Klöster en passant durch neun Jahrhunderte geistiger, politischer und kultureller Geschichte Bulgariens. Mehrere Klöster bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten, die Sie unbedingt einmal nutzen sollten.

Das zweite Prunkstück im Kulturangebot des Landes führt in die Zeit der »Nationalen Wiedergeburt«. Man stößt fast überall im Land auf ein restauriertes Haus des 19. Jhs. In einigen Regionen finden sich ganze Ortschaften unter Denkmalschutz, vor allem in Zentralbulgarien. In der Gegend um Veliko Târnovo beispielsweise, wo vor allem das Händlerdorf Arbanasi (17. Jh.) hervorzuheben ist, oder Koprivštica, ein malerisches Dorf zwischen Sofia und Plovdiv, bis hin zu wahren Perlen der Holzbaukunst der Wiedergeburtsarchitektur in Nesebâr und Sozopol am Schwarzen Meer.

Nicht zu vergessen ist die Landschaft. Schließlich gibt der Balkan - das Wort stammt aus dem Türkischen und bedeutet »bewaldeter Berg« - einer ganzen Region seinen Namen. Neben dessen Höhenzügen, die das Land von West nach Ost durchziehen, bieten sich vor allem die hohen Gipfel des Rila-Gebirges im Südwesten sowie die Rhodopen im Süden zu ausgedehnten Wanderungen, aber auch Klettertouren an. So ist es kein Wunder, dass das relativ kleine Bulgarien immerhin neun Stätten beherbergt, die von der Unesco in die Liste des Welterbes aufgenommen wurden: das Rila-Kloster, Nesebâr, das Grabmal von Kazanlâk, das thrakische Grabmal von Sveštari, der Reiter von Madara, die Kirche von Bojana, das Höhlenkloster bei Ivanovo, der Pirin-Nationalpark und das Naturreservat Srebârna.

Neben all diesen Schätzen lassen sich jedoch die Probleme des Landes nicht verbergen. Wie viele osteuropäische Länder hat auch Bulgarien mit hohen Arbeitslosenzahlen, fehlenden Absatzmärkten, nicht konkurrenzfähigen Produkten, einer riesigen Schattenwirtschaft und der wachsenden Armut zu kämpfen. Die Menschen tun dies mit noch stärkerer Festigung der Familienbande, die oft die finanziellen Nöte einzelner lindern helfen, und mit phantasievoller Improvisation, dem Zauberwort auf dem Balkan. Da wird dann die Garage zur Champignonzucht oder zum Hühnerstall umfunktioniert, ganze Wohnblöcke vermieten ihre Garagen an fliegende Händler, oder man setzt sich zum Wahrsagen an den Straßenrand oder bietet die Dienste einer alten Waage zur Gewichtskontrolle an.

Dies alles kann die ökonomische Lage vieler Menschen nicht auf Dauer verbessern. Zahlreiche jüngere der rund 8 Mio. Bürger haben im vergangenen Jahrzehnt Bulgarien verlassen, um sich irgend-wo im Westen Europas oder in Übersee niederzulassen. Bedrückend für viele ist vor allem der Umstand, dass auf kürzere Sicht keine große Hoffnung auf spürbare Besserung besteht. Von den Politikern aller Richtungen sind die meisten früher oder später sehr enttäuscht, was die regelmäßigen Regierungswechsel bezeugen. Kein Wunder, wenn die Nöte der meisten nicht geringer werden, während die Korruption blüht - egal, welche Regierung gerade an der Macht ist. Neben den ökonomischen gibt es aber auch immer deutlicher zu Tage tretende Umweltprobleme sowie Reibungen zwischen den größten ethnischen Minderheiten im Land. Die Roma gelten größtenteils als Menschen dritter Klasse. Während sich die Jugend fast bedingungslos an der westlichen Kultur orientiert, werden Rufe nach der Zeit vor der Wende - die in Bulgarien so nie wirklich stattgefunden hat - vor allem unter den Älteren immer lauter.

Doch allen widrigen Umständen zum Trotz - sobald der Winter dem Land den Rücken kehrt, was institutionalisiert zumeist am 1. März gefeiert wird, blühen das Land und seine Menschen regelrecht auf. Die Sonne verbreitet spürbaren Optimismus. Die hoch gerühmte bulgarische Geselligkeit kriecht aus den Wohnzimmern auf die Straßen und in die zahlreichen Lokale. Und die Gastfreundschaft scheint in diesem schönen Land sowieso schier unerschöpflich zu sein. Entdecken auch Sie sie!

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