




Das waren noch Zeiten«, sagt Hotelier Joakim Brattlöf, lacht und schwenkt sein Gläschen Wein. »Damals, zu Franco-Zeiten, haben wir den Kaufvertrag des Grundstücks hier bei Sant Josep auf einer Papierserviette in der Bar aufgesetzt. Dann kamen die Unterschriften drunter, das war's.« Was sich wie eine Story aus wildromantischen Pionierzeiten anhört, liegt erst ein paar Jahrzehnte zurück.


Ibiza und Formentera bilden ein faszinierendes Inseldoppel, das zu den Balearen gehört und unter dem Begriff Pityusen firmiert. Schon Karthager, Römer und Mauren fühlten sich hier pudelwohl, während sich die wahre Weltgeschichte an anderen Orten abspielte. Ibiza und Formentera schwammen allenfalls am Rande mit und öffnen sich demzufolge heute nicht gerade als kulturelle Schatztruhen. Aus frühzeitlichen Epochen haben sich mancherorts Reste in Form von Hausfundamenten und Gräbern erhalten, die klobigen Wachtürme an den Küsten legen Zeugnis von den stets befürchteten Piratenattacken zwischen dem 16. und 18. Jh. ab. Auch viele Kirchen tragen Wehrcharakter. Der steten Furcht vor Feindesvorstößen ist die eindrucksvolle Silhouette von Eivissa zu verdanken, der stark befestigten Hauptstadt Ibizas.
Das historische Hügelviertel Dalt Vila schließt mit gewaltigen Mauerverbünden und Bollwerken ab und zählt zum Welterbe der Unesco - und das erfüllt alle Insulaner mit Stolz! Wie viele unter ihnen rein ibizenkisches Blut in den Adern haben, lässt sich kaum ermessen. Offiziell beziffert man die Einwohnerzahl von Ibiza auf rund 100 000, die von Formentera auf etwa 5000. Längst haben viele Auswärtige auf den Inseln eine neue Heimat gefunden, darunter viele residentes aus unterkühlten mittel- und nordeuropäischen Sphären. Im Juli und August schwitzen alle um die Wette, zu Jahresbeginn weiden sie sich am Anblick der Mandelblüte und genießen an manchem Wintertag das Frühstück auf der Terrasse. Der Traum von ewiger Wärme wird allerdings nicht unbedingt wahr: Wohl dem, der zur Weihnachtszeit eine Heizung im Haus hat!

Auf den Pityusen bleibt alles in überschaubarem Rahmen. Ibiza bringt es auf eine Größe von 572 km², Formentera misst gerade einmal 82 km². Autobahnen sucht man vergebens, während staubige Schotterpisten häufiger auftauchen als erwartet. Ibiza und Formentera liegen in Sichtweite voneinander, zwischen beiden Inseln herrscht reger Fährverkehr. Strände gibt es wie Sand am Meer, allein auf Ibizas offiziellen Inselplänen sind mehr als 50 verzeichnet. Allerdings reihen sich die Strandareale nicht nahtlos aneinander. Manche sind nur zu Fuß erreichbar, liegen in malerischen kleinen Buchten und sind beidseits von Klippen begrenzt. Das wohl temperierte Wasser glänzt hellblau bis türkis, draußen liegen Yachten auf Reede, aus den Strandrestaurants strömen appetitanregende Düfte. Für Kontraste sorgen Täler im Inland und eine vielfältige mediterrane Pflanzenwelt mit Lavendel und Wacholder, Kiefern und wilden Kräutern, Kakteen und Agaven. Feigen- und Johannisbrotbäume, Mandelhaine und Weingärten fügen sich harmonisch ins Bild. Sieht man einmal vom modernen Eivissa und den beiden nächstgrößeren Städten Sant Antoni und Santa Eulària ab, fällt die verstreute Besiedlung auf. Als stille Wahrzeichen sind die weißen Häuser allgegenwärtig.

Der Natur kommt ein besonderer Stellenwert zu, weite Gebiete stehen unter Schutz. So wie die alten Salinen, die auf beiden Inseln als Vogelschutzzonen hervorstechen. Am höchsten hinaus geht es auf Ibizas Berg Sa Talaia, einem bewaldeten Buckel von 475 m Höhe mit tollem Blick über Hügel und Meer. Formentera hingegen zeigt sich von flacherer Gestalt und ganz auf Natur geeicht. Im Norden züngeln sich die Strände bis ans vorgelagerte Eiland Espalmador heran, im Osten wirft sich das Hochplateau La Mola um den Berg Sa Talaiassa bescheidene 192 m auf.
Zum Glück steht nicht alles im Zeichen des Fremdenverkehrs, der den Inseln mit rund 1,8 Mio. Besuchern pro Jahr einen deutlichen Stempel aufdrückt und die wichtigste Einnahmequelle bildet. Abstoßende Bettenburgen sind eher die Ausnahme, und Unternehmungslustige entdecken überraschend unbeleckte Dörfer. Hier begegnet man noch Alten, die durch die Gassen schlurfen und den Fremden freundlich grüßen. In ihrer Traditionspflege stehen die Einheimischen den übrigen Spaniern in nichts nach und feiern die Feste, wie sie fallen. Mit Hingabe pflegen sie Bräuche und Traditionen, formieren sich bei Patronatsfeiern in bunten Trachten zu Tänzen und lauschen andächtig dem Gottesdienst des Inselbischofs in der überfüllten Dorfkirche. Auf català, versteht sich, der hier verbreiteten katalanischen Sprache. Ansonsten spricht jeder Spanisch, im Tourismusbusiness manch einer Deutsch. Was nicht heißt, dass man aus Sicherheitsdenken heraus eine Schweinshaxe ordern oder in Fastfoodtempel einfallen muss. Die einheimische Kost lässt keinen kulinarischen Tiefschlag befürchten. So laden die Inseln nicht zuletzt dazu ein, den Genusshorizont zu erweitern. Mit einem arròs amb peix zum Beispiel, einem typischen Fischreis. Dazu empfiehlt sich ein guter Tropfen der lokalen Bodegas Can Rich oder Sa Cova - einfach köstlich. Und dann mit frischen Kräften auf zu neuen Entdeckungen auf Ibiza und Formentera!
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