




Down the way where the nights are gay/and the sun shines daily on the mountain-top...« - zwei Zeilen, die die Karibik treffend beschreiben.
Harry Belafonte verstand es in den 1960er-Jahren, die Sehnsucht nach Palmen, Sonne, Karneval und Rum mit seinen Songs zu wecken. Inzwischen weiß jeder Karibik-Reisende, was ihn erwartet: azurblauer Himmel, türkisfarbenes Meer, weiße Strände, Zuckerrohrfelder, Bananenhaine, Kokospalmen, kühle Wasserfälle in tropischen Regenwäldern, feuerrot blühende Flamboyantbäume, orange- und lilafarbene Bougainvilleensträucher, Fische in allen Regenbogenfarben und dunkelgrün schimmernde Kolibris und, nicht zuletzt, freundliche Menschen, die den Gästen offen und selbstbewusst begegnen und ihre Lebensfreude bei Musik und Tanz zeigen.

Tatsächlich scheint hier fast immer die Sonne. Die beständige Brise aus dem Nordosten macht das Klima jedoch gut verträglich. Sollte es dennoch einmal regnen, handelt es sich meist um einen n Schauer, der nach ein paar Minuten der Sonne wieder Platz macht. Das schöne Wetter ist natürlich ideal für alle Wasserratten. Schnorchelnd oder tauchend lassen sich Korallenriffe erkunden, die meisten Hotels verleihen Surfbretter, Kajaks und Wasserskier, unzählige Charterfirmen vermieten Segelboote mit oder ohne Skipper. Einige Inseln haben noch aktive Vulkane und Regenwälder - wie z. B. Dominica, St. Lucia und Saba -, die zum Wandern einladen und Naturinteressierte locken. Wenn der perfekte Urlaub für Sie Sonnenbaden an makellosen Stränden bedeutet, wenn Sie Nightlife erwarten - Diskos, Spielkasinos, Restaurants -, dann bekommen Sie z. B. auf Barbados, Antigua oder Sint Maarten alles, wonach Ihnen der Sinn steht.

Jede Insel hat ihren eigenen Charakter, jede ist anders als ihre Nachbarin, auch wenn diese vielleicht nur wenige Kilometer entfernt liegt. Jede Insel hat ihre eigene Geschichte, ihre charakteristische Bevölkerungsmischung, ihre eigene Sprache und ihr eigenes Gesicht. Ihre Bewohner, Nachfahren der Sklaven, haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit Indern, Chinesen, Arabern, Engländern und Einwanderern der ganzen Welt vermischt. Hier leben Schwarz und Weiß in allen Erscheinungsformen zusammen, Muslime verstehen sich mit Hindus, Rastamänner mit Methodisten, Hoteliers mit Marktfrauen. Der gemeinsame Ursprung hat soziale, religiöse und kulturelle Barrieren weitgehend aus dem Weg geräumt. Dass die einzelnen Inseln politische, wirtschaftliche und soziale Unterschiede aufweisen, verdankt sich eher geografischen und geologischen Voraussetzungen. Die französischen Inseln haben als Teil der Grande Nation (und mit deren finanzieller Unterstützung) einen relativ hohen Lebensstandard. Auch den US Virgin Islands geht es mit dem Dollar als Landeswährung eher gut, während Inseln wie z. B. St. Vincent mit weniger entwickeltem Tourismus und einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent mit den sozialen Folgen (Prostitution, Drogen, Aids) wirtschaftlicher Schwäche zu kämpfen haben.


Die Karibik ist ein subtropisches Gebiet. Im Unterschied zu den gemäßigten Breiten fehlen hier die uns gewohnten Jahreszeiten. Temperaturunterschiede zeigen sich eher im Laufe eines Tages als im Laufe des Jahres. Dennoch gibt es seasons: Im Sommer und Herbst steigen die Temperaturen geringfügig an, es fallen mehr Niederschläge - eine feuchtwarme Regenzeit. Im Spätsommer kann es vorkommen, dass aus dem südöstlichen Atlantik ein Hurrikan seinen zerstörerischen Weg durch die Karibik und weiter in den Süden der USA nimmt.

Die Karibik war vom 16. bis zum 19. Jh. eine wichtige Drehscheibe im Warenverkehr zwischen dem amerikanischen Doppelkontinent und Europa. Als Kolumbus 1492 die Inseln betrat, läutete er eine neue Epoche für die Region ein. Die Inseln waren zu dieser Zeit von Indianerstämmen besiedelt, die in Kanus aus Südamerika gekommen waren. Da Kolumbus glaubte, einen westlichen Seeweg nach Indien gefunden zu haben, hielt er diese Menschen für »Inder«. Noch heute erinnert die Bezeichnung Indianer an diesen Irrglauben, ebenso wie der im Angelsächsischen verbreitete Begriff West Indies für den karibischen Raum.

Die Besiedlung der Inseln durch europäische Einwanderer leitete eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der Karibik, aber auch Europas ein. Die n Antillen waren nicht reich an Bodenschätzen. Dafür hatten sie aber fruchtbares Land, und schon bald fand sich auch ein gewinnträchtiges Anbauprodukt: Zucker. Allerdings war der Anbau von Zuckerrohr - damals wie heute - ein arbeitsaufwändiges Unternehmen. So kamen findige Europäer bald auf den Gedanken, die harte Arbeit auf den Plantagen von afrikanischen Sklaven verrichten zu lassen - die Indianer hatten sie zuvor ja schon fast ausgerottet. Für die Europäer entstand ein lukrativer Dreieckshandel, der den Afrikanern unendliches Leid brachte. In Schiffen zusammengepfercht, wurden die Sklaven von der westafrikanischen Küste verschleppt und, falls sie die Überfahrt überlebten, auf den Märkten der Zuckerinseln an die Pflanzer verkauft. Da die Sklaven kaum mehr als zehn Jahre härtester Arbeit auf den Plantagen durchstanden, stieg der Bedarf stetig. Nach dem Verkauf der Sklaven wurden die nun leeren Bäuche der Schiffe mit Zucker und Zuckerprodukten für Europa beladen. Dort wiederum wurden Halbfertig- und Fertigprodukte eingekauft, die man in Afrika gegen neue Sklaven eintauschen konnte.

Die Sklaverei in der Karibik wurde im 19. Jh. beendet. Zeitlich fiel ihr Ende mit dem Niedergang von »König Zucker« zusammen, denn in Europa war mit dem Rübenzucker ein Konkurrenzprodukt auf den Markt gekommen, das viele Plantagen auf den Antillen in den Konkurs trieb. Die europäischen Staaten erließen nach und nach Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei in ihren Kolonien: Großbritannien (1833) zuerst, die Niederlande (1863) zuletzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein Prozess der politischen Umorganisation, der etlichen Kolonien die Unabhängigkeit brachte: Die meisten einst britischen Inseln sind heute eigenständige Staaten oder Teile eines Staatenverbunds. Die Niederländischen und die Französischen Antillen wurden dagegen zu überseeischen Provinzen ihrer Mutterländer, sind also völkerrechtlich Teile Europas. Ähnlich verhält es sich mit den US Virgin Islands (USA), während die British Virgin Islands noch eine britische Kronkolonie sind.

Die größte Einnahmequelle ist heute der Tourismus. Damit stehen die Inseln aber auch vor den typischen Problemen aller Tourismusländer: Sie sind abhängig von der Konjunktur in den Heimatländern ihrer Gäste und von anderen Faktoren, die das Urlaubsverhalten beeinflussen. Der Golfkrieg Anfang 1991 und die Anschläge auf das New Yorker World Trade Center vom 11. September 2001 hatten z. B. katastrophale Auswirkungen auf die Buchungen in dieser Region.

Die Inseln tun deshalb für ihre Gäste, was ihnen möglich ist. Die Größeren verfügen inzwischen über eine Infrastruktur, die kaum Wünsche offen lässt. Die ren bemühen sich nach Kräften, ihre jeweils typischen Vorteile in ein gutes Licht zu rücken. Für alle Inseln gilt, dass die Einwohner Besuchern, die ihnen mit Respekt begegnen, offen und freundlich entgegentreten.

Die Sonne wie in den Tropen, grün-blau schimmernde Gewässer, weiße Pudersandstrände, mit Zuckerrohr bepflanzte Hügel und immergrüne Regenwälder, das haben die größeren Inseln der nördlichen Karibik gemein. Kulturell aber teilen sich die Großen Antillen in vier Nationen: Kuba, die Dominikanische Republik und Puerto Rico sind so spanisch wie die Konquistadoren sie nach ihrer Entdeckung vor 500 Jahren geprägt haben, wenngleich Puerto Rico seit Ende des 19. Jhs. zu den USA gehört. Jamaika und die Cayman Islands zählen zum englischen Sprachraum - ebenso wie die geografisch eigentlich nicht zur Karibik gehörenden Bahamas -, während in Haiti Französisch gesprochen wird.

Für alle Inseln der Großen Antillen wie für die Bahamas hat der Tourismus eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung, und die Eilande sind entsprechend gut erschlossen. Vor allem in Küstennähe gibt es große Hotelanlagen, ganze Urlaubspackages werden mitsamt Flug, Verpflegung und Unterhaltung oft zu Dumpingpreisen angeboten - ein nicht ausschließlich wünschenswerter Trend, der sich aus den USA hierher verbreitet hat. Daneben gibt es aber auch , exklusive Hotels und preisgünstigere Guesthouses. Wassersportler, Bergwanderer und Golfspieler werden begeistert sein vom vielfältigen Angebot auf den einzelnen Inseln. Kulturinteressierte werden sich die Kolonialbauten der Altstädte oder die Überreste alter Zuckerrohrplantagen ansehen.

Die Menschen, die auf all diesen Inseln leben, bilden ein buntes Völkergemisch: Hier finden sich die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, der Einwanderer aus fast allen Ländern Europas, chinesischer, indischer und arabischer Arbeiter, Süd- und Nordamerikaner und der ersten indianischen Einwohner der Inseln. Das milde Klima und die Sonne haben die meisten zu freundlichen, lebensfrohen Zeitgenossen gemacht, die selbst in schlechten Zeiten zu feiern verstehen. Religiöse, soziale, kulturelle oder politische Barrieren sind selten. Vielmehr respektiert man sich, und die Menschen aus ursprünglich unterschiedlichen Kulturen passen sich an, zumindest sprachlich: Der chinesische Händler spricht genauso Patois wie der seine Dreadlocks schüttelnde DJ oder die indische Krankenschwester. Viele Muslime gehen in die Kirche, wenn es keine Moschee gibt: Gottesdienst ist eben Gottesdienst. Gerade auf den englischsprachigen Inseln ist oft eine heitere Frömmigkeit anzutreffen. Vor allem Frauen und Kinder zieht es am Wochenende in die Kirche. Drohende Moralpredigten des Pastors wechseln sich dort mit gut gelauntem Gospelgesang der Gemeinde ab - eher eine Party als eine ehrfürchtige Andacht.

Das subtropische Klima der karibischen Inseln sorgt im Sommer und Herbst für die meisten Niederschläge, obwohl sich die Temperaturen im Vergleich zu denen des Winters kaum ändern. Während dieser feuchtwarmen Regenzeit kann es vorkommen, dass der eine oder andere Hurrikan die Inseln auf seinem Weg Richtung Mittel- oder Nordamerika streift. Die Einwohner tragen dieses Klimaphänomen mit Fassung. »It's just the weather«, heißt es dann lakonisch bei einer Hurrikanwarnung. Fast routinemäßig werden Fenster zugenagelt und Türen verrammelt, und am Tag nach dem Sturm beginnen sogleich die Aufräumarbeiten.

Kuba (114 524 km²) und Hispaniola (76 484 km²) sind sich landschaftlich ähnlich. Beide Inseln sind geprägt durch eine Vielfalt aus sanft gewellten Gebirgen, kegelförmigen Bergen, Seen und Wasserfällen, Flussmündungen, Palmenhainen, Reis- und Zuckerrohrfeldern und haben dank ihrer Regenwälder eine üppige Vegetation. In Puerto Rico (8897 km²) zieht sich die Cordillera Central in einer Berg- und Taltour quer durch die Insel. Entlang ihrem Rücken liegen moosbewachsene Hügel, Urwald breitet sich am manchen Stellen aus, tiefe Schluchten lassen grandiose Blicke auf das Meer zu. Mit dem Naturpark El Yunque besitzt Puerto Rico den einzigen tropischen Regenwald der USA. Auf den weiten Ebenen im Tal prägen Ananasfelder das Landschaftsbild. Jamaikas Hinterland - die Insel ist 10 991 km² groß - wird beherrscht vom zerklüfteten Cockpit Country und von dem großteils bewaldeten Gebirgsmassiv Blue Mountains. Zuckerplantagen und Bananenhaine ziehen sich entlang der hügeligen Ebenen Richtung Küste. Nur die Cayman Islands (259 km²) und die Eilande der Bahamas (13 939 km²) sind flach und haben ein arides Klima. Hier wachsen Kakteen und Dornsträucher, Mangrovensümpfe säumen die Küsten. Die Naturparks beider Inselfamilien liegen eher unter Wasser: mit Sea Parks, Korallenriffen und Schiffswracks.

Historische Gemeinsamkeiten der Großen Antillen und der Bahamas sind der Zeitpunkt ihrer »Entdeckung« im 15. Jh. und die rücksichtslose Ausrottung ihrer indianischen Bewohner. Auch die Sklavenhaltung vom 16. bis zum 19. Jh., die den Inseln die Zuckerproduktion ermöglichte, verbindet ihre Schicksale. Nachdem Kolumbus die Inseln in Besitz genommen hatte, blieben sie als Stützpunkte auf der Route zwischen Europa und dem amerikanischen Festland in spanischer Hand. Die reichen Silberfunde in Mittel- und Südamerika mussten in die Alte Welt befördert werden, und die Häfen von Havanna und San Juan boten Schutz vor den Engländern. Auf Hispaniola fand man Gold, das viele Glücksritter und Bukaniere anlockte. Schon im 17. Jh. kam Jamaika unter die Herrschaft der englischen Krone. Bei früheren Angriffen der Engländer war den Spaniern eine Anzahl afrikanischer Sklaven entkommen. Diese Maroons genannten Flüchtlinge verbargen sich im Landesinneren und führten immer wieder Kleinkriege gegen die Herren der Insel. Noch heute leben ihre Nachfahren im Cockpit Country.

Anfang des 19. Jhs. setzte die Blütezeit der Inseln mit dem Handelsprodukt Zucker ein. Der immense Reichtum kam freilich nur den Zuckerbaronen, einer n Gruppe von Großgrundbesitzern, zugute. Als in den 1920er-Jahren der Zuckerpreis weltweit rapide fiel, machten sich Armut und soziale Not breit. Auf Kuba und Hispaniola entluden sich die Spannungen in Unruhen, deren Unterdrückung es machthungrigen Diktatoren leicht machte, auf den Präsidentensessel zu kommen. Jamaika entwickelte sich zu diesen schweren Zeiten zum Auswanderungsland. Viele Jamaikaner gingen nach Großbritannien, dessen Staatsbürgerschaft sie besaßen. Hispaniola ist zur Demokratie zurückgekehrt. Während die Dominikanische Republik mit Erfolg auf Massentourismus setzt, kämpft Haiti noch mit bitterer Armut. Kuba hat sich seines Diktators mit Hilfe der Revolution Fidel Castros und seiner anschließenden Machtübernahme entledigt.
Erst seit den 1970er-Jahren haben die Großen Antillen und die Bahamas ihr Potenzial als Reiseziel entdeckt und genutzt. Seitdem boomt der Tourismus und ist für viele der Inseln die Einnahmequelle Nummer eins.
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