Urlaub in Madeira

Entdecken Sie Madeira!

Quelle: Text Marco Polo

Spektakuläre Natur, mildes Klima und Blütenpracht in allen Farben - für Naturfans ist die portugiesische Atlantikinsel ein echtes Paradies

In kühnem Linksbogen schwebt das Flugzeug über die tiefblauen Wellen. Dann folgt plötzlich ein Schwenk nach rechts - und schon berühren die Räder die Landebahn. Bemvindo - willkommen auf Madeira, der grünen Perle im Atlantik.

Jahrzehntelang flogen alle Piloten die gebirgige, knapp 90 km lange Vulkaninsel nur mit der Nase nach Osten an. Dank der neuen, verlängerten und ins Meer hinein verbreiterten Piste geht es nun auch umgekehrt - also nicht entgegen, sondern mit der Flugrichtung. Atemberaubend bleibt die Ankunft trotzdem. Denn oft taucht die Ponta de São Lourenço, der karge Zipfel der Insel ganz im Osten, unvermittelt unter dem Bauch der Maschine aus einer dicken, grauen Wolken- oder Nebelsuppe auf.

Der ewige Frühling auf Madeira - nein, er ist keine Legende. Aber nicht immer trägt er eine heitere Miene zur Schau. Mild heißt nicht unbedingt sonnig - die saftige Natur kommt nicht von ungefähr. Überdies weist das nur 22 km breite, auf demselben Breitengrad wie Casablanca und gut 900 km vom Mutterland Portugal entfernt gelegene Eiland beträchtliche Höhenunterschiede auf. Auf dem Pico Ruivo (1862 m), dem höchsten der verwitterten Lavagipfel, liegen die Temperaturen stets deutlich unter denen am Meeressaum. Oft pfeift auf den Höhen und Landzungen ein kalter Wind - zahlreiche Wind-räder erzeugen dort inzwischen Energie. Seine Puste hält in vielen Fällen aber auch schlechtes Wetter auf, sodass über dem Gipfel blauer Himmel strahlt, während unterhalb alles im Trüben versinkt. Vier Jahreszeiten an einem Tag, so sagen die Einheimischen, seien auf ihrer Insel keine Seltenheit - je nachdem, wie weit man fährt.

Im Inselinneren entsprechen Klima und Vegetation dem Hochgebirge; es regnet deutlich häufiger als an der sonnenverwöhnten Südküste. Diesen Umstand machten sich schon die ersten Siedler im 15. Jh. zu Nutze, indem sie schmale Kanäle schufen, die das kostbare Nass von den felsigen Höhen im Norden auf ihre Zuckerrohrfelder leiteten. Noch heute funktioniert dieses System der levadas. Und die Wartungspfade erfreuen sich inzwischen großer Beliebtheit als weit verzweigtes Netz von Wanderwegen. Zusammen mit den verédas, den alten Kopfsteinpflasterwegen, führen sie von den steilen, stellenweise felsigschroffen Küsten hinein ins grüne Herz der Insel mit seinen wilden Schluchten und Jahrmillionen alten Gesteinsformationen. Nur wenige Menschen leben hier. Aber nahezu nach jeder Biegung blickt man auf ein neues, oft atemberaubendes Panorama. Vor allem im Nordwesten, wo noch Reste des ursprünglichen, von der Unesco inzwischen zum Weltnaturerbe erklärten Lorbeerwalds erhalten sind. Dichtes Grün mit ausladendem Blattwerk, knorrige Baumriesen und wilde, über fast senkrecht aufragende Felswände herabstürzende Bäche sorgen hier für echtes Dschungelfeeling.

Aber Madeiras Naturzauber hat noch viele andere Facetten. Mehr als 700 verschiedene Pflanzenarten wachsen auf der Insel, die seit den 80er-Jahren zu zwei Dritteln als Naturpark ausgewiesen ist. Das subtropische Klima lässt Wein auf den in die Hänge geschlagenen Terrassenfeldern ebenso gedeihen wie Bananen und eine Fülle anderer exotischer Früchte. In den Bergen duften wilde Kräuter, Blüten in allen Formen und Farben säumen die kurvigen Straßen.

Fast jeder Dorfbewohner umgibt sein Haus mit Blumentöpfen und einem Ziergärtchen. Die Regierung sorgt regelmäßig für schmückende Vegetation am Fahrbahnrand. Im frühen 19. Jh. wetteiferten vor allem reiche Engländer, die sich - oft auf dem Rückweg aus den britischen Kolonien - auf der portugiesischen Insel niedergelassen hatten oder zumindest dort überwinterten, um die schönsten und außergewöhnlichsten jardims. So entstanden um ihre Anwesen die berühmten Gärten und Parks.

Britische Bürger prägten bald auch die wirtschaftliche Entwicklung Madeiras. Sie führten den Weinhandel ebenso zur Blüte wie den Tourismus. Von Letzterem lebt - direkt oder indirekt - inzwischen das Gros der rund 255 000 Madeirenser. Landwirtschaft spielt eine immer geringere Rolle; viele junge Einheimische scheuen die schwere, kaum einträgliche Arbeit auf den terrassierten Feldern. Denn selten ist auf diesen poios der Einsatz von Traktoren oder Pflügen möglich - die Erde wird nur mit Hacken und Sicheln bestellt. Früher brachten die Bauern ihre Ernte meist persönlich, auf dem Rücken eines Esels oder per Boot, zum Verkauf in die Hauptstadt. Inzwischen steuern die Aufkäufer per Lastwagen die Dörfer an - diktieren allerdings auch den Preis.

Da es lange Zeit kaum Straßenverbindungen auf der Insel gab - jene an der Nordküste datiert beispielsweise erst aus den 50er-Jahren, so manches entlegene Dorf wurde erst drei, vier Jahrzehnte später für Motorfahrzeuge erschlossen -, beschränkte sich auch der Fremdenverkehr zunächst auf die Hauptstadt Funchal und ihre nähere Umgebung. Seinen ersten Boom erlebte der Tourismus bereits im späten 19. und frühen 20. Jh. Kaiser, Könige, Künstler - alle wollten mit einem Mal einen Teil des Jahres auf der »Blumeninsel« verbringen. Sie kamen aus ganz Europa und auch aus weiter entfernten Ecken der Welt. Viele folgten dem Ratschlag ihres Arztes. Denn Madeiras konstantes, mildfeuchtes Klima galt damals als hervorragende Medizin bei Atemwegsbeschwerden, bei schwachem Herzen und »nervösen Störungen«. Elisabeth von Österreich (Sissi) war wohl die berühmteste Person in der Riege der Gesundheitsbesucher.

Im 21. Jh. rückt das körperliche Wohlergehen wieder zunehmend in den Vordergrund bei der Vermarktung der Insel. Wellness heißt das Zauberwort. Neue Hotelanlagen mit entsprechenden Einrichtungen wuchsen und wachsen empor - nicht nur in Funchal. Doch bislang blieb die Metropole auch das touristische Zentrum der Insel. Und so ächzt der charmante historische Stadtkern in einem immer breiteren Gürtel moderner Architektur, erstickt in den Morgen- und Abendstunden fast im Verkehr. Bis hinauf nach Monte kriechen zudem die neuen (Hochhaus)-Siedlungen, denn trotz hoher Mieten drängt die junge Bevölkerung in die Metropole. Hier gibt es Arbeit - oder zumindest Unterhaltung. Bars, Restaurants, Diskotheken, Großkinos und Shoppingzentren versprechen Abwechslung vom stillen Landleben, dessen ruhiger Rhythmus nur unterbrochen wird durch das eine oder andere Fest. Neue Straßen und Tunnels haben die Wege verkürzt, sodass die engen, über viele Generationen und Verästelungen reichenden Familienbande nicht abreißen müssen, nur weil Sohn oder Tochter nun in der Hauptstadt leben.

Aber nicht nur die Einheimischen, auch Besucher profitieren von der größtenteils durch EU-Gelder finanzierten Verbesserung der Infrastruktur. Selbst einst abgelegene Orte sind nun in weniger als drei Stunden von Funchal aus zu erreichen; das Unterkunftsangebot unterwegs wurde kräftig ausgeweitet und aufgewertet. Gleiches gilt für Aktivitäten: Ob Golfen oder Drachenfliegen, Surfen oder Tauchen, Klettern oder Mountainbiken - alles ist inzwischen möglich auf Madeira.

Sogar goldgelben Sand hat man im Auftrag von Alberto João Jardim, der die Insel seit mehr als einem Vierteljahrhundert als Kopf der konservativen Sozialdemokraten regiert, an einige Strände gebracht. Aber eine echte Konkurrenz für die kilometerlange Sandstrandküste von Porto Santo bedeutet das nicht. Die wüstenartige Schwesterinsel liegt nur eine knapp dreistündige Schiffsfahrt oder einen Flugzeughupfer entfernt. Mit den Ilhas Desertas etwa 30 km südöstlich, wo inzwischen wieder eine wachsende Population der einst vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben lebt, und den ebenfalls unbewohnten, rund 250 km entfernten Ilhas Selvagens bildet das ungleiche Paar den Archipel Madeira. Entdecken Sie auf ihm Ihre Lieblingsstellen!

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