



Malta gleicht einem üppigen Büffet. Jeder Gast kann sich sein eigenes Urlaubsmenü zusammenstellen. Der Tisch ist reich gedeckt. Eine besondere Spezialität: Zeitreisen. In steinzeitlichen Tempeln wandeln Sie zwischen Mauern aus bis zu 50 Tonnen schweren Steinblöcken durch die über 5000 Jahre alte Glaubenswelt der ersten Malteser. Im Hypogäum steigen Sie in den Bauch der Mutter Erde hinab. 4000 Jahre alte Gleissysteme geben Ihnen Rätsel auf, Katakomben erinnern an die Zeit des frühen Christentums. Über das Kopfsteinpflaster der stillen Stadt Mdina rollen Pferdekutschen wie im Mittelalter, beim Cappuccino in Valletta fühlen Sie sich in die Zeit der Renaissance oder des Barock zurückversetzt. Und wenn Sie mögen, können Sie an vielen Orten nachvollziehen, was die Malteser im Zweiten Weltkrieg zu erdulden hatten, als Deutsche und Italiener sie fast pausenlos bombardierten.

Neben den Zeitreisen offeriert Malta auch viele andere Erlebnismöglichkeiten. Die Küsten mit ihren bizarren Felsformationen besitzen hervorragenden Tauchgründe, aber auch schöne Sandstrände mit Windsurf- und Wassersportstationen und glatte Felsschollen fürs Sonnenbad. Selbst Angebote zum Aktivurlaub gibt es in Hülle und Fülle: vom Englischsprachkurs bis hin zu nervenkitzelnden Stunden in Steilwänden hoch über dem Meer. Steigen Sie mit Helikoptern in die Lüfte oder begeben Sie sich auf Unterwassersafaris in die Tiefe.

Zwischendurch locken immer wieder unzählige Restaurants mit Gaumenfreuden aus aller Herren Länder. Vor allem mit Fisch und Meeresfrüchten sind Maltas Tafeln reich gedeckt. Es warten nostalgische Pubs wie in Merry Old England und lauschige Terrassen direkt am Meer, wo das Meeresrauschen die Musik zum farbenfrohen Cocktail spielt. Und in den Diskotheken von Paceville mixen neben Einheimischen auch Gast-DJ's aus England und Italien den Sound. Hier wird vor allem an Wochenenden die Nacht zum jungen Tag.
Malta ist handlich. Nur 43 km liegen zwischen Cirkewwa im Norden und Marsaxlokk im Süden. Über 500 altertümlich anmutende Linienbusse durchkreuzen täglich die Insel, machen das Herumkommen einfach und preiswert. Mietwagen sind schon für wenig Geld zu haben, an den Linksverkehr hat man sich schnell gewöhnt.

Die ersten Überraschungen erleben viele Urlauber bereits bei der Ankunft auf dem hochmodernen Luqa Airport: Malta ist ein selbständiger Staat mit eigener Regierung, Währung und Sprache. Die Malteser schreiben zwar mit lateinischen Buchstaben, trotzdem erscheinen die Wörter schier unaussprechlich, denn die Wurzeln des Maltesischen liegen im Arabischen. Aber keine Angst vor der Verständigung, fast alle Malteser sprechen Englisch.
Die nächste Überraschung bereitet die Fahrt ins Hotel. Malta ist kein kleines, verträumtes Eiland voller Fischerromantik, sondern gleicht eher eine Großstadt mit all ihren Problemen. Die einzigen Wälder, die Sie in weiten Inselteilen sehen, sind Antennenwälder auf den Hausdächern. Kein Wunder: Über 380 000 Menschen drängen sich auf nur 315 km² - eine Einwohnerdichte ähnlich der im Ruhrgebiet. Obendrein leben die Malteser gern in großzügigen Einfamilienhäusern, die sich immer weiter in die Natur hineinfressen.
Doch trotz dieser Verstädterung sind Maltas Orte nicht ohne Reiz. Dafür sorgen die zahlreichen historischen Baudenkmäler und vor allem die maltesische Bauweise selbst. Beton wird erst seit kurzem vermehrt verwendet, einheimische Kalksteinblöcke sind das vorherrschende Baumaterial. Ihre goldgelbe bis mittelbraune Farbe verleiht jedem Stadtbild eine beeindruckende Harmonie, die in den alten Ortskernen durch vorspringende, verschiedenfarbige Holzerker interessante Tupfer aufgesetzt bekommt. Ihren ganz besonderen Charakter erhalten viele maltesische Dörfer durch eine Marotte: Die Malteser wetteifern seit 200 Jahren untereinander darum, wessen Dorfkirche die mächtigste Kuppel besitzt. Überall ragen die Gotteshäuser aus dem Häusermeer auf, gleichen innen häufig Kathedralen.

Einige grüne Oasen sind auf Malta auch zu finden. Die gesamte Südwestküste mit ihren Steilufern zwischen Zurrieq und Mgarr gehört dazu. Ebenso der Norden, in dem man eifrig Landwirtschaft betreibt. Da werden Tomaten, Zwiebeln, Kürbisse, etwas Getreide und sogar Kartoffeln für den Export nach Holland angebaut. Wein wächst in der Gegend um Mdina und Rabat, Orangen gedeihen in den Buskett Gardens. Nur den typischen Baum des Mittelmeerraums, den Olivenbaum, werden Sie selten sehen.
Bisher war nur von Malta die Rede. Doch zur Inselrepublik Malta gehören zwei weitere bewohnte Inseln: Comino und Gozo. Während Comino nur als Standort zweier Hotels von Bedeutung ist, produziert Gozo einen Großteil der Lebensmittel für den ganzen Staat: Milch und Käse, Getreide und Wein.

Als Urlaubsinsel ist Gozo für alle Ruhesuchenden eine gute Alternative zu Malta. Die Insel ist weitaus dünner besiedelt, grüne, niedrige Tafelberge bestimmen das Bild der Landschaft. Es gibt zwar nur einen größeren Sandstrand, die Ramla Bay, dafür aber romantische Fjorde zum Baden und verschlafene Dörfer, in denen noch ein anderer Rhythmus den Gang des Lebens bestimmt als auf dem sehr geschäftigen Malta. Hier finden Sie mit Sicherheit die Romantik, die Sie sich wahrscheinlich von einer mediterranen Insel versprechen.
Nach Romantik stand den Maltesern nicht der Sinn, als sie 1964 von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Es galt, einen lebensfähigen Ministaat zu schaffen. Dass es gelang, ist vor allem einem Mann zu verdanken, Dom Mintoff. Er war die dominierende Persönlichkeit des jungen Staates. Nachdem der Sozialist 1971 zum Premierminister gewählt worden war, versuchte er sein Land aus der einseitigen Abhängigkeit von Großbritannien und dem Westen herauszuführen. Seine politischen Flirts mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi sorgten für viele Schlagzeilen, führten das Land in die Blockfreiheit und schufen vielfältige wirtschaftliche Verbindungen.
Mit Hilfe der Chinesen und der Sowjetunion wurde die Werftindustrie ausgebaut. Erfahrene Schiffbauer standen zahlreich zur Verfügung, denn während der britischen Kolonialzeit war Malta einer der größten Marinestützpunkte der Briten gewesen. Zusammen mit Libyen baute man eine bescheidene Erdölindustrie auf, und mit libyschem Kapital wurden viele Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Malta erhielt eine eigene Handelsflotte und eine Fluglinie. Zugleich bemühte man sich um die Ansiedlung europäischer Unternehmen, die in Malta Jeans, Schuhe und Brillengestelle, Spielzeug und elektronische Zulieferteile produzieren. Inzwischen arbeiten über 35 Prozent aller Malteser in der Industrie, aber nur knapp 6 Prozent in der Landwirtschaft. Der Tourismus ist heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2004 kamen über 1,1 Mio. Urlauber auf die Inseln, ungefähr die Hälfte davon Briten, aber auch über 160 000 deutsche Besucher.
Seit dem 1. Mai 2004 gehört Malta zur EU. Die offiziellen Beitrittsverhandlungen wurden im Dezember 2002 erfolgreich abgeschlossen. Die Bevölkerung, 1996 noch mehrheitlich gegen einen EU-Beitritt, stimmte dem Beitritt im März 2003 mit 53 Prozent der Wahlberechtigten zu. Die Malteser legen aber weiterhin Wert darauf, ihre Sonderrolle als Mittler zwischen Europa und Nordafrika zu bewahren.
Diese Mittlerrolle zwischen zwei Kontinenten und Kulturen hatte Malta in der Geschichte zuvor nie spielen dürfen. Seine strategisch bedeutsame Lage im Zentrum des Mittelmeers - nur 95 km von Italien und 290 km von Afrika entfernt - hat vielmehr immer wieder das Begehren fremder Eroberer geweckt. Phönizier und Römer, Araber und Normannen, die Kreuzritter des Johanniterordens und die Briten hinterließen ihre Spuren.
Stolz sind die Malteser vor allem auf die glorreiche Epoche, als Malta Sitz des Johanniterordens war, besonderer auf das Jahr 1565, als die Türken die Insel angriffen und die Malteser zusammen mit den Johannitern die Insel erfolgreich verteidigten. Damit verhinderten sie ein weiteres Vordringen des Islam nach Europa. Nach dem Verständnis der Malteser würde es ohne sie heute keine EU geben - und deshalb gehören sie nun auch hinein.
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