



Weite Wald- und Weideflächen, Hügelland und fast unberührte Badebuchten findet man auf Menorca, der kleineren der beiden Gymnaesiae, wie die Insel und ihre »große Schwester« Mallorca im Altertum genannt wurden. Die türkisblauen Wellen an der Cala Macarella, die sanft in der Meeresbrise sich wiegenden Pinienhaine der Cala en Turqueta, die jahrtausendealten Höhlenmäuler in den Cales Coves - all das bringt Heimatdichter genauso ins Schwärmen wie den Erholung suchenden Urlauber. Dank seiner Naturschönheiten, seiner idyllischen Badebuchten und hübschen Städtchen und nicht zuletzt seiner freundlichen Bewohner ist Menorca bei Kennern schon lange in - nicht erst, seit die Unesco die ganze Insel zum Biosphärenreservat erklärte.

Vor allem für Liebhaber der Natur hat Menorca viel zu bieten. Rund 40 Prozent der Insel sind bewaldet, in der Inselmitte findet man Pinien und Aleppokiefern in großen Waldflächen. Beeindruckend ist der Artenreichtum; so kommen in den trockenen Sturzwassergräben, den barrancs, bis zu 200 verschiedene Pflanzenarten vor, von denen 25 endemisch, also nur auf Menorca zu finden sind. Auch einige Tierarten sind eng mit dem menorquinischen Lebensraum verbunden. Die cavalls z. B. gehören einer nur auf der Insel heimischen Pferderasse an, und für zehn Tier- und vier Pflanzenarten wurde die Insel sogar zum genetischen Reservoir erklärt. Die rotbraunen Milchkühe gehören dazu, aber auch Milan, Adler und Falke, Wasserschildkröten und eine kleinwüchsige Geierart.

Menorca ist - wie Paul Fallot, einer der führenden Inselgeografen, einmal humorvoll bemerkte - der Form einer gewaltigen Saubohne nicht unähnlich. Auch an einen Nierentisch fühlte sich der Forscher erinnert. In der Tat hat die Insel zwei grundverschiedene Seiten. Die Tramuntana im Norden kennzeichnen tief ins Landesinnere gefräste Fjorde (calas), bizarre Felsformationen und eine unregelmäßige Küstenlinie mit einer Reihe natürlicher Häfen. Hier herrscht dunkles Gestein vor, das, durch Wind und Meer geformt, weiten Teilen der Küstenlinie einen rauen Charakter verleiht. Hier leben von jeher weniger Menschen als im Zentrum und an der Südküste. Der Norden gehörte Fabelwesen und Göttern. Zahlreiche Inselsagen spielen an Schauplätzen entlang der windgepeitschten Nordküste. Andererseits stößt man in den nordwestlichen Teilen der Insel auch auf große Weideflächen. Goldgelbe Kornfelder und Blumen verwandeln die Landschaft im Frühjahr und Herbst in ein Farbspektakel. Die Vegetation reicht oft bis hinunter zur Küste, klammert sich immer enger an den felsigen Boden. Nur die äußersten Landzipfel, die Kaps, sind völlig kahl.

Ganz anders der Migjorn im Süden mit einer geschlosseneren Küste, mit kleinen Buchten, bewaldeten Tälern und Schluchten. Der gesamte Südteil Menorcas ist eine gewaltige Kalktafel von 50 bis 60 m Höhe, die, leicht gen Süden abfallend, nur durch den Verlauf der Abflussschneisen aufgebrochen wird. Hier lacht Menorcas sonniges Gesicht, ist die Architektur leichter, mediterraner, wachsen Pinien und Kiefern gerade in den Himmel, weitgehend verschont von den starken Winden aus dem Golfe du Lion, die an über hundert Tagen im Jahr mit Spitzengeschwindigkeiten von über 100 km/h über den Inselnorden hinwegfegen. Im Süden liegt die Mehrzahl der Strände; demzufolge zieht es hierher auch die meisten Touristen.

Mit einer Gesamtfläche von gut 700 km² ist Menorca eineinhalbmal so groß wie Ibiza, besitzt aber nur ein Fünftel der Fläche Mallorcas. Vom Cap Sa Mola bis zum Cap de Bajolí erstreckt sich die Insel über eine Länge von 47 km, bei einer Breite von 10 bis 19 km. Vor der 220 km langen Küstenlinie liegen verstreut 30 unbewohnte, zum Teil winzige Inseln. Von der großen Schwester Mallorca trennen Menorca kaum 75 km an der schmalsten Stelle zwischen Cap d'Artrutx und Cap Freu. Barcelona ist 241 km entfernt, Afrika nur 380 km. Das erklärt die milden Durchschnittstemperaturen von mehr als 25 Grad im Sommer und 14 Grad im Winter, bei über 2450 Sonnenstunden im Jahr.

Gegensätzlich wie Nord- und Südküste sind auch die beiden Enden der Insel. Das korrekte, pflichteifrige Maó im Osten und das aufmüpfigere und doch zugleich nachgiebigere Ciutadella im Westen - mediterraner Charme ohne mediterrane Nachlässigkeit. Unterschiede zeigen sich nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Lebensauffassung. Der Wettstreit der beiden Metropolen schwelt bereits seit Jahrhunderten. Auch heute noch fährt der echte Ciutadeller nur ungern nach Maó, und das nur, um Geschäfte zu erledigen oder für unvermeidliche Behördengänge. Der Maoneser hält einen gewissen Dünkel dagegen - Notizen aus der westlichen Provinz werden in der Hauptstadt gern mit einem viel sagenden Heben der Augenbraue kommentiert.

Menorcas Wurzeln reichen tief in die Geschichte. Schon vor 6500 Jahren sollen Menschen die Insel bewohnt haben. Bis zu 4000 Jahre alt sind die ältesten Spuren, unvergängliche Steinbauten, ohne Mörtel zusammengefügt. Vor allem prähistorische Höhlen (coves) und Siedlungen (poblats prehistòrics) mit ihren steinernen Tischen, den taules, und Türmen, den talaiots, sowie die sagenumwobenen navetes, die vermutlich ältesten erhaltenen Bauwerke Europas, warten teilweise noch auf ihre Entschlüsselung.
Später nutzten Phönizier, Griechen, Karthager und Römer die strategische Lage der Insel, die Byzantiner machten sie sich untertan, schließlich die Araber. Erst 1287, so ziemlich als Schlusslicht der christlichen Rückeroberung Spaniens, wurde Menorca den »Ungläubigen« entrissen - für die Insulaner damals nicht unbedingt eine Wende zum Besseren. Hungersnöte und Epidemien waren die Folge, und erst die Besetzung Menorcas durch die Engländer brachte Handel, Handwerk und Kultur wieder in Schwung. Für das Jahr 1784 bezeugen die Inselchroniken 21 Goldschmiede und 150 Schuhmacher, Ende des 19. Jhs. lebten fast 40 Prozent aller Menorquiner von der Schuhproduktion. Heute gehören Schuhe, Modeschmuck und Käse zu den Exportgütern. Fischfang und Landwirtschaft verlieren dagegen immer mehr an Bedeutung, das Dienstleistungsgewerbe tritt immer weiter in den Vordergrund. Heute sind rund 60 Prozent aller Insulaner direkt oder indirekt im Fremdenverkehr beschäftigt. Auf Menorcas Flughafen landen jährlich mehr als 1,3 Mio. Fluggäste. Dennoch setzt man statt auf Massentourismus auf finanzkräftige und umweltbewusste Individualurlauber. Menorca scheint bewusst die Sünden der großen und der kleinen Schwestern im Südwesten vermeiden zu wollen, scheint die Auszeichnung als Reserva de la Biosfera nicht als geschickten Marketingschachzug zu verstehen und tatsächlich den Beweis dafür antreten zu wollen, dass ein vernünftiges Maß an Tourismus durchaus mit intakten sozialen und kulturellen Strukturen und einer unzerstörten Natur in Einklang stehen kann. Urlaub muss nicht Sünde sein!
| Weitere Reiseangebote |
| Abu Dhabi, Aegypten, Agadir, Algarve, Balearen, Bali, Barbados, Bulgarien, Chalkidiki, Costa Blanca, Costa Brava, Costa de la Luz, Costa del Sol, Djerba, Dominikanische Republik, Dubai, Fuerteventura, Gran Canaria, Griechenland, Hurghada, Ibiza, Italien, Jamaika, Kalabrien, Kanaren, Karibik, Khao Lak, Koh Samui, Korfu, Kreta, Kuba, La Gomera, La Palma, Lanzarote, Madeira, Malediven, Mallorca, Malta, Marokko / Tunesien, Marsa Alam, Mauritius, Mexiko, Phuket, Portugal, Puerto Plata, Punta Cana, Seychellen, Sharm El Sheikh, Sizilien, Spanien, Sri Lanka, Südindien, Teneriffa, Thailand, Türkei, Türkische Riviera, Venezuela, Zypern |
