



Die orangefarbenen Roben der Mönche glühen im Licht der Morgensonne. In filigranen Tempeln knien Gläubige vor goldglänzenden Buddhastatuen. In ihren gefalteten Händen halten sie Lotosblüten. Fischer binden bunte Tücher an den Bug ihrer Boote, und Taxifahrer hängen duftende Kränze aus Jasmin und Orchideen an die Rückspiegel ihrer knatternden Tuk Tuk, jener kleinen, vierrädrigen Minitaxis. Die Zier soll zu Wasser wie zu Land Glück bringen und Unheil abwenden.

In schnurgeraden Reihen stehen Gummibäume in weiten Plantagen, Kokospalmen werfen gefiederte Schatten auf schneeweiße Strände. In den kleinen Buchten wachsen Korallen bis fast ans feinsandige Ufer. Das Meer zieht sich wie ein kornblumenblauer Teppich bis zum Horizont. Wenn Sie eintauchen, wird es klar wie Gin, und Sie schwimmen in einem riesigen Aquarium. Fische sind bunt wie Konfetti und lassen sich fast mit der Hand streicheln. Die ganze Farbenpracht der Tropen! Über wie unter Wasser bereitet sie auf dieser Insel dem Auge ein Fest.
Die Flutwelle vom 26. Dezember 2004 verwüstete auch Strände im Süden Thailands. Aber in Atem beraubendem Tempo gingen die Thais daran, die Schäden zu beseitigen. Phuket selbst hatte den Tsunami vergleichsweise glimpflich überstanden. Der Wiederaufbau ist weit gehend abgeschlossen. Die Zustandsbeschreibungen können aber nur Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Aktualisierung Mitte 2005 sein. Aber auch alle anderen Urlaubsregionen im Süden Thailands können Sie wieder bereisen (nähere Angaben in den einzelnen Kapiteln). Der Tsunami hat die Schönheit dieser faszinierenden Urlaubsregion nicht zerstört. Und auch die Lebensfreude der Thais konnte er nicht auslöschen.

Phuket ist Thailands größte Insel: 48 km lang, 22 km breit. Aber mit 543 km² (zum Vergleich: Die Insel Rügen misst 926 km², der Stadtstaat Singapur 640 km²) auch die zweitkleinste von den 76 Provinzen des Königreichs. Wirtschaftlich hingegen liegt das wichtigste Urlaubsziel des Landes weit vorn. Nur in der 860 km entfernten Hauptstadt und Industriemetropole Bangkok verdienen die Menschen mehr als auf Phuket. Viele der 300 000 Einwohner haben es, für thailändische Verhältnisse, zu beträchtlichem Wohlstand gebracht. Sie wohnen kaum mehr in hölzernen Pfahlbauten, sondern in gemauerten Häusern. Zur Arbeit fahren sie mit dem Motorrad oder gar mit dem eigenen Auto. Statistisch besitzt jeder zweite Phuket-Insulaner ein motorisiertes Zweirad - keine andere thailändische Provinz kann da mithalten.

Der Tourismus lässt Geldquellen sprudeln: Rund 4,2 Mio. Urlauber besuchten die Insel 2004, drei Viertel von ihnen waren Devisen bringende Ausländer. Aber nicht erst der internationale Tourismus hat auf Phuket den Bauboom angekurbelt und Motorradlawinen losgetreten. In Thailand galt die Insel der Zinnschürfer, Fischer und Kautschukpflanzer schon als reich, noch bevor in den 1970er-Jahren die ersten Rucksackreisenden aus dem fernen Europa an einsamen Stränden in Palmlaubhütten zogen.

Schon bevor im Jahr 1903 die ersten Gummibäume auf Phuket gepflanzt wurden, hatte ein anderes, millionenschweres Geschäft das Gesicht der Insel verändert: der Abbau von Zinn. Die beginnende Industrialisierung im fernen Europa ließ im 19. Jh. den Bedarf nach Zinn für Bleche, Lager- und Lötmetalle sprunghaft ansteigen. So strömten Tausende chinesische Kulis aus Malaysia nach Phuket, um in den Minen zu schuften. Heute ist rund ein Viertel der Einwohner Phukets chinesischer Abstammung. Noch 1977 verdiente die Insel mit Zinn doppelt so viel wie mit dem Tourismus. Erst mit dem Zinnpreisverfall in den 1980er-Jahren kam der Abbau zum Erliegen. Übrig blieben Kraterfelder, so unwirtlich wie Mondlandschaften. Aber diese hässlichen Narben bekommen Urlauber kaum mehr zu Gesicht. Aus Kratern sind Fischteiche oder Seen auf Golfplätzen geworden, auf ehemaligen Schürfgebieten stehen schmucke Neubausiedlungen oder preisgekrönte Hotelanlagen wie das Laguna Project am Bang Tao Beach.

Auch die Vorfahren der moslemischen Fischer sind einst als Tagelöhner aus Malaysia eingewandert. Zusammen mit den Chinesen und den ethnischen Thais, die ihrerseits um die Jahrtausendwende aus Südchina ins heutige Thailand einwanderten, sind sie stolze Khon Phuket, Phuket-Bürger, die auf ihrer Insel in Frieden miteinander auskommen. Nur eine kleine Gruppe fristet nach wie vor ein Dasein am Rande der Inselgesellschaft: die Chao Leh (wörtlich: Meeresvolk, auch Seezigeuner genannt). Sie zählen zu den ersten, die sich an Phukets Gestaden niedergelassen haben, aber über ihre Herkunft rätseln die Ethnologen heute noch.
Die Geschichte einer multikulturellen Gesellschaft zeigt sich auch in den Stätten des Glaubens. Die moslemischen Thais beugen sich in weiß getünchten Moscheen gen Mekka. Die buddhistischen Thais falten ihre Hände in den wat, farbenfrohen Tempeln von nahezu verspielter Leichtigkeit. Nicht minder bunt und dazu noch mit Drachenköpfen geschmückt sind die chinesischen Tempel (sanjao), unter deren roten Dächern sowohl Buddhismus wie Taoismus zu Hause sind.

An den einstigen Reichtum der Zinnund Gummibarone erinnern in Phuket Town noch einige prächtige Anwesen im sinoportugiesischen Baustil mit kunstvoll gestalteten Balustraden und Säulen, Stuckfassaden und Rundbogenfenstern, gebaut von Handwerkern aus malaysischen Handelszentren.
Mit seinen 70 000 Einwohnern hat Phuket Town als einziger Ort auf der Insel den Namen »Stadt« verdient. Aber so manche Touristen schaffen es selbst in ein paar Wochen Urlaub nicht bis in die Metropole - weil sie einfach nicht loskommen von den Stränden. Auch auf anderen Inseln in Südostasien können sich Beach-Urlauber in den warmen Sand legen, aber nirgendwo sonst finden sie gleich anderthalb Dutzend Strände dieser Güte wie auf Phuket. Jeder hat seinen eigenen unverwechselbaren Charakter, und gleichwohl dürfen sie alle das Prädikat Traumstrand für sich in Anspruch nehmen. Dabei mag der Traumstrand des einen Besuchers eher ein Albtraum für den anderen sein. Aber gerade das macht auch den Reiz von Phukets Stränden aus: Sie bieten sowohl Remmidemmi als auch Ruhe.

Wer mag, kann sich z. B. am Patong Beach unter einen Wald von Sonnenschirmen in die Menge legen und sich nachts in 1001 Bars von Diskomusik voll dröhnen lassen. Sie können aber auch, etwa am Südende vom Bang Tao Beach, den Fischern zuschauen, wenn sie fangfrischen Fisch in Körben aus ihren kleinen Booten wuchten. Die Musik zur Nacht wird hier noch von den Zikaden gespielt, und das Nightlife beschränkt sich weit gehend auf die Betrachtung des Sternenhimmels.
Phuket ist eine der schönsten Perlen unter den Urlaubszielen in Südostasien. Im Süden Thailands umspült die laue Andaman-See aber auch noch andere Inseln mit spektakulären Stränden. Fährboote pflügen in anderthalb Stunden durchs Meer zu den beiden Inseln von Phi Phi. Die zwei Schwestern sind Winzlinge und geradezu dramatisch schöne Schöpfungen der Natur. Senkrecht und hoch wie Wolkenkratzer erheben sich Kalksteinmassive über weiße Sandstrände und spiegeln sich im klaren Wasser.
Wenn Sie noch mal anderthalb Stunden Kurs Südost weiter schippern, kommen Sie zur Insel Lanta. Die ist zwar auch kein exklusives Refugium mehr für Rucksacktouristen, aber an allen Stränden finden sie noch genügend ruhige Plätzchen, um die Seele baumeln zu lassen.
Wieder lebhafter geht es an den Stränden von Krabi auf dem Festland zu. Auch hier hat die Natur Wunder vollbracht. Gewaltige Kalksteinmassive schieben sich als Landzungen ins Meer und schirmen diese Paradiese vom Rest der Welt ab. Felswände, an denen sich Freikletterer hochhangeln und Affen turnen, wölben sich über Strände, die das Auge blenden. Von Stalaktiten fallen Wassertropfen auf den Sand, den man wie Puderzucker wegpusten kann. Viele Urlauber glauben, dass man sie unbedingt gesehen haben muss. Und damit haben sie Recht.
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